Starke Gefühle – Wokeness als kontroverses Thema christlicher Religionspädagogik
DOI:
https://doi.org/10.20377/rpb-1998Schlagworte:
epistemische Ungerechtigkeit, Gender, kontextuelle Theologie, politische Religionspädagogik, WokenessAbstract
Wokeness ist ein kontroverses gesellschaftliches Thema und bewegt die Gemüter. Zur Einordnung der starken Gefühle Ekel und Angst im Zusammenhang mit Wokeness werden in diesem Artikel die Gegenwartsanalysen von Martha C. Nussbaum und Judith Butler herangezogen. Zudem werden die von Gegner*innen woker Positionen genutzten Strategien beleuchtet und eingeordnet. Welches inhaltliche Potenzial und welche positionelle Notwendigkeit mit einer christlich-theologischen Perspektive einhergeht, wird theologisch anhand von zwei Beispielen erläutert. Neben einer ethischen Perspektive auf Solidarität erfolgt eine erkenntnistheoretische Auseinandersetzung mit kontextueller Theologie. Abschließend folgen Impulse für die Religionspädagogik, wie Wokeness als kontroverses Thema im Religionsunterricht behandelt werden kann. Neben grundlegenden Geboten, wie sich auch im Koblenzer Konsent zu finden sind, werden in diese Überlegungen auch religionsdidaktische Ansätze einbezogen.
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